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"Im Schoß der Erde"

Plakat "Im Schoß der Erde"Oberhausen und seine Partnerstädte Carbonia und Iglesias auf Sardinien verbindet eine vom Bergbau geprägte Geschichte. Die Provinz war wichtiges Zentrum für den Kohlenbergbau. Viele Menschen aus dieser Region emigrierten zum Arbeiten ins Ruhrgebiet, noch heute existiert in Oberhausen eine sardische Gemeinde.

Wie das Ruhrgebiet blieb auch die sardische Region Sulcis nicht verschont von der Bergbaukrise und befindet sich im Strukturwandel. Mit dem RUHR.2010 Twins-Projekt „Im Schoß der Erde / Nel Grembo della Terra“ haben sich die beiden Leiter Geremia Carrara und Alessandro Palmitessa im Kulturhauptstadt-Jahr das Ziel gesetzt, die sardische Region mit ihren historischen und wirtschaftlichen Parallelen zum Ruhrgebiet über Kulturveranstaltungen einem interessierten Publikum bekannt zu machen und einen fruchtbaren und nachhaltigen Erfahrungsaustausch dieser Regionen in Gang zu bringen.

Eröffnet wird die Veranstaltungsreihe „Im Schoß der Erde“ am Samstag, 4. September (20 Uhr, Eintritt 8 Euro), im Theater Oberhausen mit dem Konzert „Lieder aus dem Bergbau“. Die berühmte sardische Sängerin Elena Ledda und eine internationale Künstlergruppe aus Nordrhein-Westfalen mit Agnes Erkens (Gesang), Laia Genc (Klavier) und Alessandro Palmitessa (Saxophon und Klarinette) arrangieren ein einmaliges Musikprogramm mit Elementen von Klassik, Weltmusik, Volksmusik und Jazz. Die ausgebildete Opernsängerin Elena Ledda, die in Cagliari lebt, widmete sich nach ihrem klassischen Gesangsstudium der Wiederentdeckung der Gesangstradition ihrer Heimat Sardinien. Jahrelang bereiste sie die Insel bis in die entlegensten Bergdörfer, um alte Gesänge und musikalisches Erbe zu sammeln, zu erforschen und wieder zu beleben.

Mit eigenen Kompositionen, vertonten Gedichten von sardischen und deutschen Bergarbeitern sowie Projektionen von Fotos über die Arbeit im Bergbau bietet das Programm im Theater eine Konzertreise von Sardinien nach Deutschland bis ins Ruhrgebiet. Die Bürgermeister aus Carbonia und Iglesias werden an diesem Abend anwesend sein. Wiederholt wird das Konzert einen Tag später am 5. September im Consol Theater Gelsenkirchen.

„Klänge aus der Erde“ heißt es am Freitag, 17. September (19.30 Uhr, Eintritt 8 Euro), im Gasometer Oberhausen. Die deutsche Mezzosopranistin Agnes Erkens wird alte sardische Gesänge interpretieren, die der Heiligen Barbara gewidmet sind - der Beschützerin der Bergleute. Die sardische Schriftstellerin Iride Peis trägt eigene Gedichte und Auszüge aus ihren Büchern vor, die vom Leben um das sardische Bergwerk in Montevecchio inspiriert sind. Ehemalige Bergarbeiter aus Sardinien und Deutschland wollen dem Publikum zudem die Welt der Bergwerke durch eigene Erlebnisse und Geschichten näher bringen.

Eine Fotoausstellung „Im Schoß der Erde“ wird am Freitag, 24. September (18 Uhr), im LVR-Industriemuseum Oberhausen an der Hansastraße eröffnet. Sie zeigt Bilder aus den Archiven der Städte Carbonia und Iglesias, die den gesamten Zeitraum von Ende des 19. Jahrhunderts bis heute abdecken und über ein Jahrhundert des alten und bedeutungsvollen Minenlebens dieser Gegend verfolgen. Es wird dabei deutlich, dass die Mine sowie Männer, Frauen und Kinder eng miteinander verwoben sind. Dies zeigt sich besonders darin, dass die Stadt Carbonia ihren Namen von dem Wort Carbone/Kohle erhalten hat und vor 70 Jahren nur gebaut wurde, um dem Kohlenabbau in der Gegend Vortrieb zu leisten.

Ebenfalls am 24. September wird um 19.30 Uhr im LVR-Industriemuseum der Stummfilm „Cainà“ (Die Insel und der Kontinent) gezeigt. Sardinien ist auch heute noch der Inbegriff eines ländlichen Italiens. Nicht zufällig entstanden hier die ersten Filme des italienischen Neorealismus. Das Inseldrama „Cainà“ von 1922 ist der erste Versuch der filmischen Darstellung ungeschminkter Realität der Insel, archaischer Dorfgesellschaften und großartiger Landschaften. Live vertont wird das 58-minütige Werk an diesem Abend (Eintritt 10 Euro) mit Musik von Antonello Salis (Akkordeon u. Klavier, I), Lewis Barnes (Trompete, N.Y./USA), Alessandro Palmitessa (Saxophon, D/I), Holger Mertin (Percussion, D), Cosimo Erario (Gitarre, D/I) und Manolo Cabras (Kontrabass, I).

Komplettiert wird das Kulturprojekt „Im Schoß der Erde“ vom 8. bis 29. September von einer Filmreihe mit deutschen oder englischen Untertiteln im „Kino im Walzenlager“ des Zentrums Altenberg. Sie lädt das Publikum ebenfalls auf eine Reise in die sardische Bergbaulandschaft Sulcis ein. Die Spielfilme und Dokumentationen erzählen vielfältige Geschichten rund um den Bergbau und die Bewohner der Gegend. Weitere Informationen unter www.im-schoss-der-erde.de.